Kulanna gilt als einer der wenigen tatsächlich sicheren Orte der gesamten Existenz: eine Ruhe-Demiplane, die kein feindseliges Wesen betreten, dort erscheinen oder auch nur per Weissagung auskundschaften kann. Dauerhaft erreichen kann sie niemand: Der einzige bekannte Zugang führt über den Staff of Kulanna, einen sich selbst verzehrenden Stab, der seinen Träger und bis zu zehn weitere für wenige Stunden dorthin bringt, bevor beide wieder in die Welt zurückkehren, aus der sie kamen. Ob Kulanna erschaffen wurde oder schon immer existierte, ist unbekannt; ebenso unbekannt ist, warum ausgerechnet dieser eine Ort so vollständig vor dem Rest der Existenz verschlossen bleibt.
Geografische Merkmale
Wer Kulanna betritt, findet sich an einem warmen Strand wieder, unter einer Sonne ohne erkennbaren Ursprung, die dennoch mit der Sanftheit eines windstillen Nachmittags scheint. Hinter dem Strand liegen ruhige Obstgärten, deren Bäume das ganze Jahr über schwer mit Früchten hängen. Das Meer davor rollt in gleichmäßigen, leisen Wellen heran, erreicht aber nie ganz den Flutsaum am Sand: eine Gezeit, die für immer im letzten Moment vor der Ankunft verharrt.
Es gibt keine Nacht in Kulanna, keinen Sturm und keine Jahreszeit; alles verharrt in demselben goldenen Nachmittag, ganz gleich, wie viel Zeit draußen vergeht. Wer dort acht Stunden ruht, kehrt so erholt zurück, als hätte er eine ganze Nacht Schlaf gefunden, meist noch bevor draußen überhaupt jemand seine Abwesenheit bemerkt hat.
Ein Ort ohne dauerhaften Zugang
Kein Gelehrter und kein Erzmagier hat je einen Weg gefunden, Kulanna anders als über einen Staff of Kulanna zu betreten, geschweige denn, dort zu bleiben. Portale schlagen fehl, Weissagung findet nichts als Stille, und selbst mächtigste Ebenen-Magie gleitet an der Demiplane ab, als verschlösse sie sich aktiv gegen jeden Versuch von außen. Die bekannteste Ausnahme ist zugleich das deutlichste Warnbeispiel dafür, was ein solcher Versuch kostet: Die Erzmagierin Ark-anat verbrauchte fünf der seltenen Stäbe in dem Versuch, Kulanna dauerhaft und frei begehbar nachzubilden. Das Ergebnis war das Zwielicht-Athenäum: bewohnbar, aber nicht Kulanna, ein Echo, das die Form eines Wortes trägt, ohne dessen Bedeutung zu verstehen.
Verbreitung der Stäbe
Niemand konnte bislang ein Muster in den Fundorten der Stäbe erkennen. Sie tauchen in Grabkammern auf, auf Schlachtfeldern, in den Habseligkeiten Ertrunkener, gelegentlich auch schlicht in der Tasche eines Reisenden, der schwören würde, sie sei vorher nicht dort gewesen. Gelehrte von Candela streiten seit Jahren darüber, ob die Gesamtzahl der Stäbe endlich ist und mit jedem verbrauchten Exemplar sinkt, oder ob beständig neue auftauchen, aus welcher Quelle auch immer. Beide Theorien lassen sich mit den vorhandenen Aufzeichnungen weder belegen noch widerlegen.
Selbst im Feywild, wo die Grenzen zur übrigen Existenz ohnehin dünner sind, gelten die Stäbe als außergewöhnlich selten. Manche Fey behaupten, mehr über ihren Ursprung zu wissen als jedes sterbliche Volk. Sicher sind sich dabei aber auch sie nicht.
Legenden
Zwei der bekanntesten Erzählungen darüber, wer die Stäbe erschaffen haben könnte, widersprechen einander vollständig. Belegt ist keine von beiden.
Im Feywild erzählt man sich von einer Wette an einem Ufer, das die eigene Gezeit nie erreicht (siehe Die Gezeitenlose Gabe).
In der materiellen Welt erzählt man sich von einer namenlosen Gestalt, die durch die Trümmer vergangener Katastrophen ging und dabei nichts als Asche zurückließ (siehe Die Zehn aus der Asche).