Die Legende der **Schwarzen Flut** ist die wohl bekannteste und furchterregendste Schauergeschichte, die in den Hafenkneipen von [[Albrid]] erzählt wird. Sie handelt von einem uralten Korsarenschiff, das vor Jahrhunderten im Kanal der Stadt sank und seither als Geisterschiff, bemannt von einer untoten Crew, die Gewässer heimsucht. ___ ## Die Legende Erzählungen zufolge war die *Schwarze Flut* einst ein gefürchtetes Piratenschiff, das die Handelsrouten des [[Ebron]]-Meeres terrorisierte. Vor Jahrhunderten, während eines verheerenden Sturms oder möglicherweise während der chaotischen Phase der **"Großen Einebnung"** von [[Albrid]], wagte der Kapitän ein riskantes Manöver im engen Kanal der Stadt. Manche sagen, das Schiff sei von den Verteidigungstürmen versenkt worden; andere flüstern, die Crew habe sich geweigert, dem Meer den Tribut zu zollen, woraufhin die See selbst sie verschlang. Das Schiff kenterte und riss die gesamte Mannschaft in die Tiefe. Doch anstatt Ruhe zu finden, verfluchte der Kapitän im Moment seines Todes das Meer und schwor, niemals zu weichen. Seither sind das Schiff und seine Besatzung dazu verdammt, in stürmischen Nächten als Untote an die Oberfläche zurückzukehren. ___ ## Erscheinungsbild und Sichtungen Das Schiff wird als eine düstere, verfallende Silhouette beschrieben, die lautlos durch dichten Nebel gleitet, selbst wenn der Wind um sie herum tobt. * **Die Segel:** Zerfetzt und grau, hängen sie wie Spinnweben an den Masten, blähen sich jedoch auch ohne Wind. * **Die Crew:** Matrosen schwören, skelettartige Gestalten an Deck gesehen zu haben, die stumm ihre Arbeit verrichten. * **Das Geräusch:** Begleitet wird das Erscheinen oft vom ächzenden Knarren alter Planken und einem kalten, höhnischen Lachen, das über das Wasser hallt. ___ ## Verbindung zur "Versenkten Stadt" Ein besonders hartnäckiger Teil der Legende verbindet die *Schwarze Flut* mit der **Versenkten Stadt** – jenem labyrinthartigen Netzwerk aus überfluteten Kellern und alten Straßenzügen, das unter dem heutigen [[Albrid]] liegt. Fischer und Schmuggler berichten von seltsamen Lichtern, die nachts tief unter der Wasseroberfläche des Kanals zu sehen sind. Es heißt, dass die *Schwarze Flut* nicht nur auf dem Wasser segelt, sondern auch in der Lage ist, durch die überfluteten Ruinen unter der Stadt zu navigieren. Die Geister der Crew sollen dort unten noch immer nach einem Weg suchen, ihre verlorenen Schätze zu bergen, oder die Geheimnisse bewachen, die mit dem alten [[Albrid]] untergegangen sind. Für den jungen [[Satori Orvyn]] war diese Verbindung der faszinierendste Teil der Geschichte, da sie die Grenze zwischen der Welt der Lebenden oben und den vergessenen Geheimnissen der Toten unten verwischte. ___ ## Bedeutung im Aberglauben Für die Seeleute von [[Albrid]] ist die Sichtung der *Schwarzen Flut* ein Omen für nahendes Unheil oder einen bevorstehenden schweren Sturm. Es ist üblich, einen Tropfen Rum oder eine Münze ins Wasser zu werfen, wenn der Nebel im Kanal aufzieht, um die Geister der Korsaren zu besänftigen und sicher den Hafen zu erreichen. Streng gläubige Priester tun die Geschichten als "gottlose Fabeln" ab, doch die Angst in den Augen der alten Matrosen, wenn der Wind nach Sturm schmeckt, ist real.